Im Kirchturm der Siegenburger Pfarrkirche befindet sich bereits die dritte Generation von Glocken. Die erste Glockenfamilie stammte noch aus der Zeit vor dem Bau des jetztigen Turmes im Jahre 1816. Die drei vorhandenen Glocken wurden 1817 vom alten in den neuen Turm übernommen, weil der neue Turm mehr Glocken tragen konnte als der baufällig gewordene alte Turm. Deshalb wurde 1817 eine vierte Glocke in Auftrag gegeben.

Pfarrer Johann Utz hat das damalige Geläute genau beschrieben, das sich von 1818 bis 1917 auf unserem Kirchturm befand:

Große Glocke 
Geweiht Gott, dem Höchsten, und der Himmelskönigin Maria
Gestiftet von Bürgermeister Aloys Köck und Anton Hörhammer und der ganzen Gemeinde Siegenburg
Gegossen 1818 in Ingolstadt

Mittlere Glocke
Aufschrift in lateinischer Sprache: INRI erbarme dich unser
Gegossen 1770 in München

Kleine Glocke
Gegossen 1767 in Landshut

Sterbeglocke
Gefertigt 1612 in Regensburg

Gesamtgewicht dieses Geläutes: 37 Zentner
Gestimmt war aus die Töne: e - gis - h - a

Von diesen vier Glocken hat nur das kleinste Glöcklein, die Sterbeglocke aus dem Jahre 1612, die beiden Weltkriege überlebt. Sie hängt noch heute an ihrem angestammten Platz und meldet seit bald 400 Jahren den Siegenburgern den Heimgang eines Gemeindemitglieds.

Die beiden Weltkriege bedeuteten für viele Glocken das Ende. Nicht etwa, weil sie durch Bomben und Geschosse zerstört wurden, vielmehr wurden sie selbst zu todbringenden Kugeln und Granaten umgeschmolzen. Die geweihten Mahner zum Frieden wurden in schändlicher Weise zu todbringenden Werkzeugen der Vernichtung. Über 100 000 Glocken wurden so in Frankreich und Deutschland in den Kriegsjahren 1914 bis 1918 und 1935 bis 1945 von der Rüstungsindustrie beschlagnahmt. Auch an Siegenburg ging dieser bittere Kelch nicht vorüber. Am 10. September 1917 wurde eine 18 Zentner schwere Glocke vom Kirchturm heruntergeholt. 100 Jahre lang hatte sie dort ihre gewaltige Stimme erklingen lassen. Der Abtransport durch den Markt glich einem Trauerzug. Vielen Siegenburgern standen die Tränen in den Augen, als sie von der mit Blumen geschmückten Glocke Abschied nahmen. Als Entschädigung erhielt die Pfarrei 3 700 Reichsmark. Der Betrag wurde in Kriegsanleihen angelegt und war nach dem Kriegsende zum größten Teil verloren.

Wenige Jahre nach dem Ende des ersten Weltkriegs bekam Siegenburg ein neues, schwereres und auch klangschöneres Geläute als zuvor. Die mittlere und kleine Glocke aus den Jahren 1767 und 1770 gab man als Schmelzmasse daran, da sie klanglich nicht zueinander passten. Nur das kleine Sterbeglöcklein durfte bleiben. Am 7. April 1921 wurde das neue Geläut durch Pfarrer Johann Utz feierlich geweiht. Das Gesamtgewicht aller fünf neuen Glocken betrug 68 Zentner, die größte wog 30 Zentner, die kleinste 4,5 Zentner. Gegossen wurden alle fünf Glocken bei der Firma Hamm in Regensburg, gestimmt auf die Töne: d - f - g - a - c. Die Gesamtkosten betrugen 15 000 Reichsmark.

Niemand konnte damals ahnen, dass in weniger als zwei Jahrzehnten auch diese Glocken den Weg zum Glockenfriedhof antreten würden. Am 1. Dezember 1941 erhielt Pfarrer Georg Blabmeier vom Landratsamt Kelheim den Befehl, für Kriegszwecke fünf Glocken abzuliefern. Nur eine Glocke, die kleinste mit 4,5 Zentnern, durfte in Siegenburg verbleiben. Selbst das Sterbeglöcklein wurde diesmal konfisziert. 1948 kam die abgelieferte Sterbeglocke unversehrt zurück; die vier anderen aber waren nicht mehr auffindbar und blieben für immer verschwunden.

Bereits am 7. Juli 1946 fasste die Kirchenverwaltung den Beschluss, ein neues Geläut anzuschaffen. Die noch vorhandene 4,5 Zentner schwere Glocke sollte als Gussmaterial der Firma Hahn & Sohn zur Verfügung gestellt werden. Die fünf neuen Glocken sollten aus einem Guss stammen und ein harmonisches Ganzes bilden. Für den Guss musste die Pfarrei das Material (Kupfer, Zinn, Flachs und Brennzholz für den Schmelzvorgang) größtenteils selbst aufbringen und in die Glockengießerei transportieren. Die Gesamtkosten betrugen 16 196 Reichsmark, das Gesamtgewicht 72,50 Zentner. Am 30. Juli 1948 wurden die fünf neuen Glocken kirchlich geweiht.  

Alle fünf Glocken - das Sterbeglöckchen ausgenommen - tragen die Inschrift:

"Mich goß 1947 Joh. Hahn & Sohn Landshut/Reichenhall."

Nikolausglocke

Größte Glocke
30 Zentner - Ton: cis - 140 cm Durchmesser
Aufschrift: "Befrei uns Herr von Pest, Hunger und Krieg auf die Fürbitte des Hl. Nikolau."
Bilder: Hl. Nikolaus, Hl. Barbara und Hl. Katharina

Dreifaltigkeitsglocke

18 Zentner - Ton: e - 118 cm Durchmesser
Aufschrift: "Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Hl. Geiste."
Bilder: Hl. Dreifaltigkeit und Hl. Petrus Canisius

Muttergottesglocke - geweiht der Patrona Bavariae

11,5 Zentner - Ton: fis - 103 cm Durchmesser
Aufschrift: "Maria mit dem Kinde lieb, uns allen deinen Segen gib."
Bilder: Patrona Bavariae, Hl. Josef und Bruder Konrad

Herz Jesu - Glocke

8 Zentner - Ton: gis - 92 cm Durchmesser
Aufschrift: "Herz Jesu, Sühneopfer für unsere Sünden, erbarme dich unser."
Bild: Herz Jesu, Johannes d. Täufer und Hl. Antonius

Sterbeglocke

Älteste Glocke
68 kg - Ton: c - 44 cm Durchmesser
Aufschrift: "1612 aus Feuer ich floss. Georg Schelchshorn aus Regensburg mich goß.

Ich kling und hang
du sing und dank
Gott dein Leben lang."

Bilder: Kreuz und auferstandener Christus mit Siegesfahne