Tollbach mit seinen heute etwa 80 Einwohnern, besteht eigentlich aus zwei auseinandergezogenen Teil-Orten. Der westliche Teil wird als Unter-Tollbach, der östlichere als Ober-Tollbach bezeichnet. Allem Anschein nach ist der östlichere Teil von beiden der ältere. Bereits im 11. Jh. wird von einem „Hof zu Togilbac“ berichtet, der dem Kloster Weltenburg fronpflichtig war. In Fall von Tollbach dürfte sich der Ortsname herleiten lassen von einem Erstansiedler „*Togil“ bzw. „Dagalo“, der seine Sippe hier „am Bach“ um sich scharte. Erst ab 1818 wurde eine politische Gemeinde gebildet aus den Teilen Morgenroth, Kipfelsberg, Langhaid, Beckenhof, Drahtmühle und Aicha, wobei Drahtmühle aber schon zur Steuergemeinde Siegenburg zählte. Im Jahr 1840 sind Drahtmühle und Kipfelsberg politisch endgültig im Markt Siegenburg aufgegangen. Die Steuergemeinde Tollbach existierte bis Anfang 1946, ab dem 1. April 1946 wurde sie Bestandteil des Marktes Siegenburg mit allen vorgenannten restlichen Zugehörungen.

In kirchlicher Hinsicht sind die Verhältnisse vielschichtiger. Die Gemeindeteile Tollbachs waren unterschiedlichen Sprengeln zugeordnet. Drahtmühle wurde 1842 mit dem Prüllhof gemeinsam aus der Pfarrei Pürkwang ausgegliedert und ging zunächst ans Benefizium Siegenburg (Pfarrei Niederumelsdorf), ab 1869 an die Pfarrei St. Nikolaus über. Langhaid und Aicha waren von alters her der Pfarrei Kirchdorf zugehörig. 1907 erfolgte die Umpfarrung von Langhaid nach Siegenburg. Aicha und mit ihm Beckenhof sind nach wie vor auch heute noch Teil der Pfarrei Kirchdorf. Kipfelsberg und Tollbach selbst waren anfänglich Teil der Pfarrei St. Andreas in Pürkwang. Kipfelsberg wurde umgepfarrt im Jahr 1871 und zwar nach Siegenburg, Tollbach ist heute noch eine Filiale von Pürkwang, St. Andreas. Die Ausgliederung von Morgenroth-Mühle aus der Pfarrei Niederumelsdorf erfolgte dann 1946.

(Ober-)Tollbach hat eine kleine Kirche. Die Baupflicht obliegt der Pfarrei Pürkwang in der Gemeinde Wildenberg gelegen. Die Kirche hat das Patrozinium „Mariae Verkündigung“ und wurde im 15. Jahrhundert erbaut. Eine erste Umgestaltung erfolgte im 18. Jh., wobei eine Teilüberformung stattfand. Die Tollbacher Kirche war eine Zeit lang als Wallfahrtskirche sehr geschätzt. Im 19. Jh. sind weitere Umgestaltungen dokumentiert. In dieser Zeit erhielt der Turm vorher mit einem Treppengiebel versehen, einen Spitzhelm mit Dreiecksgiebeln. Der linke Seitenaltar ist freskal gemalt an der Chorbogenwand. Im neuromanischen Hochaltar steht die vermutlich aus der Bauzeit stammende Madonna, das Gnadenbild von Tollbach. Die gefasste Schnitzfigur dürfte stilistisch der Zeit um 1470 zuzuordnen sein. Mehrere Votivtafeln, die von Gebetserhörungen  berichten, zieren die Westwand unter der Empore. Eine etwas größere unter den anderen stifteten im Jahre 1801 die Gemeinden Pürkwang und Wildenberg zum Dank dafür, dass sie und auch die Morgenroth-Mühle von den Plünderungen französischer Soldaten verschont geblieben waren. Bei einem persönlichen Besuch werden Sie noch so manche weitere Entdeckung machen können. 

     

 

Aktualisiert und ergänzt von H. Ertlmeier (Archivpfleger Markt Siegenburg)