Ältere Geschichte

Die Geschichte eines Ortes lässt sich nicht sehr häufig besonders weit zurückverfolgen. Für Siegenburg gilt: Es existieren entsprechende Belege direkt zur ehedem bestehenden Burg seit annähernd 950 Jahren, zu einem jüngeren Ortsteil seit gut 1100 Jahren, was bedeutet, dass man den Anfängen dieser Ansiedlung damit wohl schon sehr nahe kommen kann. Dr. J. B. Prechtl ein im 19. Jh. anerkannter Heimatforscher der Hallertau verfasste 1869 die Abhandlung "Beiträge zur Geschichte des Marktes Siegenburg, der Schlösser Train und Ratzenhofen" in der er viel Historisches zu Siegenburg ans Tageslicht förderte. In Bezug auf die Herkunft des Burg- und Ortsnamens allerdings konnte seine Vermutung nicht verifiziert werden. Die von ihm als Beleg angeführte, in Latein verfasste Urkunde von König Arnulf, datiert mit dem 5. Mai 895 n. Chr., enthält keinerlei Bezug zu Siegenburg selbst oder gar einem mit dem Ort in Verbindung stehenden Ritter Sigo! Dies bedeutet, dass aufgrund Dr. Prechtls vielfach übernommener Vermutung, welche ohne weitere Überprüfung bis heute tradiert wurde, der Beginn der Geschichte Siegenburgs nicht mit dem gen. Jahr 895 angesetzt werden kann. Regional hochrangige Historiker wie Freilinger, Hack und Mages weisen diese Urkunde schon seit den 70-er/80-er Jahren des 20. Jh. dem Eichstätter Raum zu.

Die ehem. "Mühle zu Daßfeld" und das Sägewerk das zwischenzeitlich daraus entstanden ist, besitzen dieselbe geografische Lage direkt an der Abens, knapp einen Kilometer vom heutigen Ortszentrum entfernt. Ihre schriftlich belegte Bezeichnung war auch Namen gebend für den dort in deren Umfeld ab 1946 entstandenen Ortsteil des Marktes Siegenburg, Daßfeld-Siedlung. Diese Mühle taucht erstmals auf in einer Tauschurkunde vom 15. Mai 905 n. Chr. zwischen Bischof "Tuto" von Regensburg (reg. 893 – 930) und dem Edlen "Drouant". Bis 1842 blieb die Mühle Teil der Pfarrei Pürkwang und gehörte bis 1818 zum Gerichtsbezirk der kirchlichen Hofmark Biburg. Von 1818 – 1946 war Daßfeld-Mühle der kommunalen Verwaltung der Steuergemeinde Staudach angegliedert. Ab dann sind Daßfeld-Mühle und Daßfeld-Siedlung zu einem Bestandteil der Gemarkung Siegenburg geworden. Somit sei es erlaubt, mit der bisherigen Erstnennung dieser ehem. Mühle den Beginn der belegbaren Geschichte des Marktes anzusetzen.

Was hingegen die frühesten schriftlichen Zeugnisse anlangt in Bezug auf den Namen Siegenburg (in damaliger Schreibweise), kann man auf die "Traditionsnotizen" der ehem. Klöster Münchsmünster und St. Paul in Regensburg zurückgreifen; niedergeschrieben im letzten Viertel des 11. Jh. Dass hier als Keimzelle eines später entstandenen Ortes eine namengebende Burg bestand, steht wohl außer Zweifel. Zum Vergleich sei auch auf das geschichtlich kaum veränderte Wappen Siegenburgs verwiesen, innerhalb dessen von Anfang an eine Burg dargestellt ist. Den Burgenbau, ähnlich der Ansicht im Wappen, um das Jahr 1000 n. Chr. anzusetzen, ist plausibel. Burgen stehen, wie allgemein bekannt, an strategisch günstigster Lage, an sog. höchsten Punkten mit bester Einsicht allseits ins weite Gelände. Für die Anfänge der Ansiedlung Siegenburg kommt dafür nur der Bergsporn in Frage, nahe der Stelle, an der die heutige Pfarrkirche St. Nikolaus steht. Ob ehedem Niederburgen oder dgl. sich in nächster Nähe befunden haben, ist archäologisch nicht mehr nachweisbar. Nah dem vermuteten Standort führte eine mittelalterliche Handelsstraße vorbei, von Venedig herkommend, ab Salzburg als "Salzstraße" bezeichnet, weiter nach Nürnberg führend. Sie mag der Anlass zum Burgenbau gewesen sein. Teilstücke sind Abschnitte der heutigen Landshuter Straße und der Mühlstraße. Keltische und römische Handelsstraßen lagen etwas abseits, viel weiter südlicher. Demzufolge fanden sich zwischen Siegenburg und Train nur vereinzelt römische Münzen. Sie zeigen vorne den Kopf von Kaiser Nerva Trajanus (+ 18. September 53 n. Chr.  + 8. August 117 n. Chr.), auf der Rückseite ist Kriegs-Gott Mars abgebildet.

Die frühesten Edelfreien hier mit dem Leitnamen "Altmann" und Sitz auf der Burg, direkt verwandt mit den Ratzenhofern (Leitname "Eberhard") und den "Hittenburg", entstammen einem südbayerischen Adelsgeschlecht, das nicht näher eingegrenzt werden kann. Sie gehören sozusagen einer Nebenlinie der späteren Grafen von Abensberg an. Die Siegenburger "Altmannen", beginnend mit Altmann I. (+1094 n. Chr.) stiegen als Schirmvögte des Klosters Münchsmünster zu Bedeutung und Ansehen auf. Sie übernahmen die Vogtei von "Pfalzgraf Kuno zu Vohburg" (+ 1086 n. Chr.) direkt nach seinem Ableben und hielten sie mindestens drei Generationen lang. Die Nachfolger Altmanns I. galten zudem als Gefolgsleute des Diepoldinger Markgrafengeschlechtes zu Cham und Vohburg. Kurz vor 1180 n. Chr. verlieren sich die Hinweise auf die letzten "Edelfreien zu Siegenburg". Vermutlich sind sie um diese Zeit, ohne männliche Nachkommen zu haben, ausgestorben. Die Feste Siegenburg gelangte anschließend in die Hand von Otto I., dem ersten Wittelsbacher-Herzog, der im Jahr 1180 n. Chr. durch Kaiser Friedrich Barbarossa mit dem Herzogtum Bayern belehnt wurde. Heinrich der Löwe, der Welfen-Herzog und Vorgänger, verlor Bayern in diesem Jahr. Die Ansiedlung Siegenburg begann sich nach und nach um die Burg zu bilden in erster Linie durch Scharwerkspflichtige der Edelfreien.

Aus verkehrs-, fiskal- und territorialpolitischen Gründen waren die Wittelsbacher frühzeitig bestrebt an Orten mit bereits bestehenden Burgen neben günstig gelegenen Handelsstraßen, Märkte zu gründen, vorhandene Pertinenzen, wie Vogteien zu übernehmen und auszubauen. Die vorhandenen Burgen dienten fortan als Sitze für ihre Ministerialen, sprich Richter, Pfleger, Schreiber, Notare, Bürgermeister und Räte vor Ort; bisweilen auch als kurzfristige Aufenthaltsorte für Inkognito-Treffen der Herzöge mit hochrangigen Verhandlungspartnern. Bereits 1245 ist mit Sitz am Ort nachgewiesen und im Urbar festgehalten ein als Sigenburgarius benannter landesfürstlicher Richter. Siegenburg war bereits Anfang des 13. Jh. zum Sitz eines Bezirksgerichtes, sprich Schergenamt bestimmt worden mit mittlerer Gerichtsbarkeit. Zunächst dem "Pflegamt Werde" nahe Neustadt/Do., später dann, nach dessen Verschmelzung mit dem Urbar-Amt in Vohburg, dem neuen Pfleggericht Vohburg unterstellt. Nach heutiger Vorstellung war Vohburg das Landgericht, Siegenburg einer Art Amtsgericht vergleichbar mit relativ großem Sprengel. In Gerichtsbriefen (Urkunden mit Urteilen) ist häufiger von der "schranne zu sygenburch" die Rede. Namhafte Pfleger/Richter (auch Burggrafen genannt) in Siegenburg waren die Oettlinger und die Hoechstetter, die auch die Forstverwaltung innehatten. Das Amt des Pflegers war erblich. Mehr und mehr wurden Flächen geschaffen wie ein Marktplatz zur Niederlassung von Handwerkern und Händlern zusätzlich zu der schon ansässigen landwirtschaftlich geprägten Bevölkerung.

Die Erstverleihung von Marktprivilegien samt Siegelrecht muss dann um das Jahr 1306 erfolgt sein, da bald darauf im Jahr 1310 in der sog. Oberbayerischen Teilungsurkunde (Herzogliche Ausfertigung!) festgehalten ist: "…Sigenburch, burch und marcht…" In der Urkunde vom 29. Oktober 1306 bzgl. der Holzfuhrrechte aus dem Dürnbuch, ausgestellt von Herzog Rudolf I., wird Siegenburg mit Vohburg und Neustadt a. d. Donau in "einem Atemzug" genannt, was die Vermutung zulässt, dass alle drei Orte zu der Zeit schon von gleichem Stand und Status gewesen sein mussten. Bereits 1349 erreichte die 1347/1348 entstandene große Pestwelle auch die Hallertau und raffte den größten Teil des noch jungen, in Entwicklung begriffenen Marktes dahin. Im Jahr 1379 mussten die Marktprivilegien schon erstmals bestätigt werden, weil, was Wunder, die Originalurkunde verloren gegangen ist: "… so da verloren habent …", lautet die herzogliche Begründung. Aussteller der Urkunde waren die gemeinsam regierenden Enkel Stephan, Friedrich und Johann von Herzog Ludwig IV. (später gen. Kaiser Ludwig der Bayer). Von dieser Urkunde existiert leider nur mehr die Abschrift; auch dieses Original gilt heute als verloren. Im Kern heißt es: "... dass die Leute zu Siegenburg dieselben Rechte haben sollten, wie die Städte Ingolstadt und Neustadt und zwar auf eine Meile im Umkreis ..." Siegenburg blieb fast vor keiner Katastrophe verschont, ob nun kriegerische Auseinandersetzungen, beginnend im 15. Jh., oder Großfeuer. Im Landshuter Erbfolgekrieg z. B. brandschatzten und plünderten böhmische Soldaten 1504 den Ort derart, dass Burg/Schloss und alle Häuser zerstört waren. Von Siegenburg konnten auf Jahre hinaus keine Steuern mehr erhoben werden. Die Erholung gestaltete sich langsam; die Burg baute man nicht wieder auf. Vor der nächsten Plünderung Siegenburgs, gab es im Ort Anfang des ersten Viertels des 17. Jh. 140 Einwohner in etwa 35 Häusern, darunter drei Bierbrauer, zwei Weinwirte, je drei Bäcker und Metzger und andere Handwerker.

     

Jüngere Geschichte

Besonders hart traf es den Markt erneut dann im 30-jährigen Krieg. Als 1632 die Schweden abzogen und dazu die Pest hinterließen, gab es in Siegenburg nur mehr zehn ganze Häuser, in denen ein paar armselige Tagelöhner hausten. Damit ging ein Niedergang des Marktwesens und Bedeutungsrückgang auch als Gerichtsort einher, der lange anhielt. Bayern jedoch wird zum Kurfürstentum, Siegenburg nun zum "Churfürstlichen Markt". Erst allmählich trat erneut Erholung ein und der Ort wurde nach und nach wieder aufgebaut, quasi nahezu neu besiedelt. Aber bald verhinderten große Feuersbrünste in 1669 und 1675 die Wiedererrichtung eines Marktwesens, einer Selbstverwaltung, einer magistratischen Verfassung. Nahezu 50 Jahre lang übernahm das Pfleg-/Landgericht Vohburg diese Aufgaben. 1678 musste die Gemarkung, sprich die Außengrenzen des Rechtsgebietes Siegenburg, neu festgelegt werden; 35 Marksteine wurden neu gesetzt. In Siegenburg zählte man 61 Wohnhäuser, 66 Familien und 47 Schulkinder, was einer Einwohnerzahl von gut 300 entsprach. 1681 dann durfte sich Siegenburg schließlich wieder "ein selbstverwalteter Markt" nennen. Die Privilegien wurden nun zum dritten Mal erneuert und gleichzeitig aktualisiert. Kurfürst Max II. Emanuel war der Aussteller und Unterzeichner der noch existierenden Original-Urkunde.

Kurz darauf im Spanischen Erbfolgekrieg 1704 steckten österreichische Husaren (als Leichte Kavallerie bezeichnet) die Ortschaft an vier Stellen gleichzeitig in Brand. Anlass dazu war wohl der Mord aus Eifersucht an einem Husaren, verübt von Siegenburger Bürgern. Den toten Husaren versenkte man im nahegelegenen Weiher in der nördl. Abens-Au; seither besteht der Name "Husarensee" für das Gewässer. Der Husarensee gilt auch heute noch als Flurname. In den Jahren 1710 - 1715 war ein großer Teil Bayerns durch die Österreicher besetzt, der ehemalige Gerichtsbezirk Siegenburg wird dem neu geschaffenen Landgericht Abensberg-Altmannstein zugeteilt. Die zwischenzeitliche kräftige Erholung des Marktes führte bereits zu deutlich über 120 Häusern. Im Jahr 1716 brach ein Großfeuer aus im Neuen Schlösschen, das nordwestlich abseits der ehemaligen Burg im 16./17. Jh. errichtet worden war.

 

 

Das Schlösschen selbst und weitere 115 Häuser, Scheunen und Anbauten wurden ein Raub der Flammen. Auch während des österreichischen Erbfolgekrieges 1745 musste Siegenburg unter kriegerischen Auseinandersetzungen leiden. Panduren (Reiterhorden aus Kroatien und Ungarn, die auf Seiten Österreichs kämpften) überfielen und plünderten den Ort ein weiteres Mal. Im Güterbestand des Pfleggerichtes Vohburg sind für das Jahr 1752 genau 122 Anwesen im Markt Siegenburg aufgeführt, was in etwa einer Einwohnerzahl von 500 Personen entspricht. Das Jahr 1770 ist durch ungünstige Witterung mit Kälte und wochenlangem Regen bestimmt. Missernten waren die Folge und eine daran sich anschließende Teuerung im darauf folgenden Jahr. Die entstandene Hungersnot traf auch Siegenburg in der schlimmsten Form, die Sterbefälle schnellten in die Höhe. Im Jahr 1771 wurde auf Churfürstlichen Erlass hin Brot mehrfach nach Siegenburg geliefert.

In 1799, im Zuge der Neuorganisation der Bayerischen Gerichte wurde das Pfleggericht Vohburg in ein Provisorium umgewandelt, schließlich 1803 aufgelöst. Die Bezirke Bayerns teilte man neu ein; der "Regenkreis" wurde geschaffen in dem sich Siegenburg nun im ebenfalls neu errichteten Landgericht Abensberg befand; die Hauptstadt des Regenkreises war zunächst Straubing, ab 1810 dann Regensburg. Nachdem Bayern die Seiten wechselte und mit Napoleon kämpfte wurde aus dem Churfürstentum Bayern schließlich das Königreich Bayern, Siegenburg nun ein Königlich Bayerischer Markt. In der nun angebrochenen Zeit der Säkularisation wurde die Sebastiani-Kapelle auf dem Kirchberg in ein Schulhaus umgewandelt, mitten im damalige Siegenburger Friedhof. Auf seinen Zügen durch ganz Europa kam Napoleon auch durch Siegenburg. In der "Schlacht um Abensberg" vom 17. bis 20. April 1809 brannten die Koalitionäre Bayern, die Abensbrücke bei Daßfeld nieder. Der endgültige Sieg über die Österreicher gelang dann am 22. April 1809 bei Eggmühl.

 

 

An die gefallenen Soldaten aller kämpfenden Parteien erinnert das Denkmal "Die Franzosenkreuze" an der    B 301 außerhalb Siegenburgs und speziell an die Soldaten des K. u. K. Infanterieregimentes Hoch- und Deutschmeister Nr. 4 das "Denkmal bei den Linden" nahe Niederumelsdorf auf Höhe des Autobahnrastplatzes "Deutschmeister". Dieses wurde 1911 "im 91. Geburtsjahr von Prinzregent Luitpold von Bayern" eingeweiht.

 

 

Die Jahre 1816 und 1817 waren noch schlimmer für Siegenburg als die Jahre 1770 und 1771. Die folgende Teuerung im Jahre 1817 führte zu einer Verdreifachung des Brotgetreidepreises; Getreide musste durch das Königreich Bayern aus Rußland eingeführt werden; noch mehr Sterbefälle als 46 Jahre davor. Die Jahre 1816 – 1819 sind auch geprägt durch die vom kgl. Minister Graf Montgelas begonnene Gemeindereform. 1818 nach Auflösung des Schergenamtes Siegenburg entstanden die Steuergemeinden Niederumelsdorf, Staudach und Tollbach incl. der darin liegenden Einöden, Weiler und Mühlen. Der Königlich Bayerische Markt Siegenburg ebenfalls, bereits mit dem Priehlhof (heute: Prüllhof), jedoch noch ohne Daßfeld und Drahtmühle. Drahtmühle blieb bis 1842 weiterhin Teil der Gemeinde Tollbach. Im Jahr 1830 zählte man in Siegenburg 173 Anwesen mit an die 700 Einwohner. Durch eine neuerliche Verwaltungsänderung auf Landesebene wurde der Markt Siegenburg samt Landgericht Abensberg 1838 dem Bezirk Niederbayern angeschlossen. Ab Mitte des 19. Jh. erlebte Siegenburg endlich einen dauerhaften Aufschwung. Die Handelsware Hopfen und zwei am Ort befindliche Großproduzenten, auch Brauereien betreibend, hatten erheblichen Anteil daran. Ab dem Jahr 1866 ist quasi der erste Industriebetrieb zu verzeichnen mit einer Hopfenverarbeitung zu dessen Haltbarmachung in der "Englischen Hopfenhalle" der Wigan-Familie. Ein Hallertauer Zentrum des Hopfenhandels ist entstanden. 1862 erfolgte eine neuerliche Verwaltungsreform. Das Landgericht Abensberg wurde nun aufgelöst, Siegenburg dem neugeschaffenen Bezirksamt Kelheim, dem Vorläufer des späteren Landkreises Kelheim, zugeteilt. Ab 1879 konnte der Magistrat, sprich die Verwaltung des Marktes, durch Erwerb des "Bäcker-Wastl-Anwesens" am Marktplatz (heute Marienplatz 13) ein eigenes Gebäude ihr eigen nennen, in dessen Nebengebäude die Feuerwehr untergebracht werden konnte. Ehedem waren Verwaltung und Schule lange Zeit gemeinsam in einem Gebäude auf dem Kirchberg südlich der Pfarrkirche untergebracht. In kirchlicher Hinsicht ist festzuhalten, dass Siegenburg erst 1869 auch Pfarrsitz wurde durch Bildung der St. Nikolaus Pfarrei. 850 Jahre war die katholische Gemeinschaft Siegenburgs Sprengelbestandteil der St. Ulrichs Pfarrei von Niederumelsdorf.

Ein Beispiel für die medizinischen und hygienischen Verhältnisse am Ende des 19. Jh.:

Von den insgesamt 60 Verstorbenen des 1300 Seelen-Marktes Siegenburg des Jahres 1885 waren 30 Kinder innerhalb des 1. Lebensjahres, also die Hälfte; 9 Kinder zwischen dem 2. und 10 Lebensjahr, 2 Jugendliche zwischen dem 11. und 20. Lebensjahr, 3 junge Erwachsenen im Alter von 21 bis zum 30. Lebensjahr, 6 Erwachsene waren zwischen 30 und 40 Jahre alt, 1 war zwischen 40 und 50 Jahre alt, 2 zwischen 50 und 60 Jahre alt, 5 waren im hohen Alter zwischen 60 und 70 Jahre alt, 1 war zwischen 70 und 80 Jahre alt und nur 1 Person war über 80 Jahre alt. Von 60 Leuten wurde nur 1/10 älter als 60 Jahre. Auch ein Spiegel der "guten alten Zeit".

Neuzeit

Der Aufschwung des Marktes Siegenburg hielt ins 20. Jahrhundert hinein weiter an. Auch in den letzten beiden Kriegen, 1914/1918 und 1939/1945, hatte der Markt Siegenburg zu leiden; leiden vor allem durch den Verlust vieler junger Männer, teils 3 Söhne einer Familie mussten ihr Leben lassen; von so vielen ist weder Todeszeitpunkt noch Bestattungsort überliefert. Was die Zerstörungen in den letzten Kriegstagen im April 1945 anlangt, ist festzuhalten, dass der Markt glimpflich davon kam. Vor Kriegsausbruch 1939 zählte man im Markt 2176 Einwohner.

Die Einwohnerstruktur hat sich durch Zuzug insbesondere in der Zeit von Flucht und Vertreibung entscheidend verändert. Viele Familien fanden hier am Ort eine neue Heimat. 1950 waren im Markt bereits 2872 Einwohner gemeldet. Der Ortsteil "Daßfeld-Siedlung" neben der ehem. Daßfeld-Mühle entstand dabei. Letzterer Zuwachs war mit bedingt durch Flüchtlinge und Heimatvertriebene, aber auch durch Auflösung angrenzender, erst 1818 gebildeter Steuergemeinden, was eine weitere Vergrößerung der Flächenausdehnung für Siegenburg zur Folge hatte.

Am 1. April 1946 erfolgte die Auflösung der selbständigen Steuergemeinde Staudach mit den Ortsteilen Daßfeld-Mühle, Neukirchen, St. Johann und Mallmersdorf. Der Kernbereich der Gemarkung Staudach wird nach Siegenburg eingemeindet. Zur gleichen Zeit wird die Steuergemeinde Tollbach mit den Ortsteilen Aicha, Langhaid, Kipfelsberg und Morgenroth (nördl. Teil) in Gänze Siegenburg zugeschlagen. Ab dem 1.1.1976 dann schließlich die Gemeinde Niederumelsdorf mit deren Ortsteilen Oberumelsdorf, Holzleiten, Grafenmühle, Morgenroth-Mühle und Straßhaus. Damit ist der Markt Siegenburg nun in der zweiten Dekade des 21. Jh. auf rund 4.000 Einwohner angewachsen. Durch die ansässigen Handels- und Handwerksbetriebe ist die "Grundversorgung" im Ort gewährleistet. Neben Geschäften aller Art, Gaststätten und Sportstätten gibt es in Siegenburg ein vielfältiges Vereinsleben und ein Freibad. Für die Gesundheitsversorgung stehen Ärzte und eine Apotheke, wie auch ein Alten- und Pflegeheim (ehemaliges Krankenhaus) zur Verfügung. Kinderkrippe, Kindergärten, Grund- und Mittelschule (Geschichte dazu siehe unter: "Leben und Wohnen") boten bis 2018 genügend Platz für alle Kinder des Einzugsgebietes. Der weitere, notwendig gewordene Ausbau der Einrichtungen zur Kinderbetreuung und der Schulen ist seither in die Wege geleitet und baulich angelaufen, im gleichen Zuge mit der Vergrößerung des Ortes durch neue Wohngebiets- und Gewerbegebietsausweisungen.

In Siegenburg befindet sich seit den 60-er Jahren des 20. Jh. Verwaltung und Technik des Wasserzweckverbandes der Gruppe Siegenburg-Train. Ein Produkt der "Gebietsreform 1972 in Bayern" war auch die Schaffung der Verwaltungsgemeinschaft Siegenburg. Als Sitz dieser VG Siegenburg, die hier am Ort seit 1978 mit allen ihren notwendigen Ämtern besteht, wurde der Ort Siegenburg gewählt. Dazu errichtete man anstelle des ehemaligen Siegenburger Rathauses ein neues Gebäude zur Aufnahme der Verwaltungen der Gemeinden Biburg, Kirchdorf, Train, Wildenberg und des Marktes Siegenburg selbst. Derzeit zählt die VG Siegenburg über 9.700 Einwohner.

 

 

Der Ortsname Siegenburg

Um der Herkunft des Ortsnamens näher zu kommen, muss zunächst versucht werden die Namensgebung der Burg einzugrenzen, an deren ehem. Existenz keinerlei Zweifel besteht. Der Grund hier eine Burg zu errichten dürfte strategischer Art und/oder die Handelsstraße abzusichern gewesen sein; sicher nicht, einen Ort zu gründen. Dies erfolgte viel später, als die Burg lange schon bestand. Bzgl. des Namens der Burg hielten sich bis heute verschiedenste Theorien. Da ein "Ritter Sigo zu Siegenburg" urkundlich ebenso wenig festzumachen ist wie der "Sieg der Urbevölkerung über die röm. Besatzer", wie Aventinus (Johann Turmair), der große Bayerische Geschichtsschreiber, vermutete, kommen Ableitungen aus beidem nicht in Frage. Was uns Aventin jedoch 1531/33 erstmals schriftlich überliefert, ist der Name des Baches, in dessen Nähe die Burg errichtet wurde. Er schreibt, der Bach heißt "sig". Wahrscheinlich vorher lange schon bestehend, jedoch nur mdl. tradiert. Etymologen sind sich einig, dass Burgenbezeichnungen fast nie patronymisch (von einem Gründer abzuleiten) sind, sondern von geografischen Besonderheiten, sprich Gewässern, Gebirgsformationen, Vegetationsformen und deren vielfältigen farbigen Wirkungen auf den Betrachter herrühren und zur Namensgebung beitrugen. Folglich geht die wahrscheinlichste Deutung des Burgennamens über den Begriff des Baches "sig", einer Kurzform von "sigan" (althochdeutsch) = "sinken, herabfließen", d. h. "langsam fließendes Bächlein", also der Burg am Siegbach, oder die Siegbachburg. Der Name der Burg bestand sicher schon lange Zeit, bevor  der Ort sich im 13. Jh. zu formieren begann. Wenn Altman I. als Zeuge einer Stiftung im 11. Jh. auftrat, bezeichnet er sich mit dem Namen seiner Burg, um alle Zweifel an seiner Authentizität als Edelfreier auszuräumen, eben als "…altman de signpurgk…" was der Schreiber im Kloster genauso festhielt. Im Volksmund war die gekürzte Form nach und nach auch zum Namen des Ortes geworden, vor allem nach Aufbau einer öffentlichen Verwaltung schriftlich in verschiedenster Form hinterlassen. An Schreibweisen für Siegenburg, gesammelt von Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein, sind überliefert: Sigenburgk, Sigenburch, Siginpurg, Sigenburc, Sybenpurch (vorübergehend nur im 14. und Anf. des 15. Jh.), Sienburch, Sigenburg, Siegenburg (dann ab 1813). Der Name Siegenburg ist im deutschen Sprachraum einmalig.

 

(Aktualisiert und ergänzt: H. Ertlmeier, Archivpfleger)