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Pfarrer Becher liest die "Heilige Nacht"

Am zweiten Weihnachtstag, Dienstag, 26. Dezember, wird um 16:30 Uhr in der St. Nikolaus-Pfarrkirche die „Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma aufgeführt. Sprecher ist Pfarrer Franz Xaver Becher, die Lieder und Musikstücke werden von der Familienmusik Berger aus Rohr in Niederbayern und der HVT-Gesangsgruppe vorgetragen. Der Eintritt ist frei, Spenden für KUNO werden erbeten.

Die „Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma ist eine Geschichte für sich. Sie ist schon oft interpretiert worden – von Fritz Straßner, Gustl Bayrhammer, Willy Rösner und Elisa Aubinger – und in diesem Jahr in Siegenburg von Pfarrer Franz Xaver Becher. Die Gesänge und Musikstücke zwischendrin singen und spielen die Familienmusik Berger aus Rohr (Elisabeth Berger - Gitarre, Sabine Weinmann - Zither und Johanna Berger - Kontrabass) und die Gesangsgruppe des Hallertauer Volkstrachtenvereins Siegenburg (Martin Schweiger, Markus Schlittenbauer, Heinz Müller und Helmut Meichelböck).

Der Dreigesang feiert heuer übrigens seinen 70. Geburtstag, er besteht seit der Vereinsgründung im Jahr 1947.

Die Weihnachtsgeschichte Thomas, in der er auf ganz eigene Weise Jesu Geburt nach dem Lukas-Evangelium nacherzählt, ist nicht pure Folklore, sondern eine ergreifende Dichtung und ein echtes Stück Zeitgeschichte. Ludwig Thoma schrieb die Weihnachtsgeschichte mitten im Ersten Weltkrieg. Thoma war 1915 Sanitäter an der Ostfront (Galizien, Russland) gewesen, dann aber an Ruhr erkrankt. Daheim in seinem Haus am Tuften in Tegernsee erholte er sich. Über die Entstehung der „Heiligen Nacht“ im Dezember 1915 berichtet der Volksschauspieler Bertl Schultes: „Es war Advent. Thoma war mit seinem Jäger in seinen Tegernseer Bergen. Eisig kalt war es und ein scharfer Wind schnitt einem schier das Gesicht entzwei (...) Mit einem Mal wurde es windstill, die Kälte ließ nach, nur große Schneeflocken legten sich lautlos auf die Erde. Langsam, Schritt für Schritt, ging es bergab. Auf einmal hörte der Jäger, wie Thoma vor sich hin sagte: Im Wald is so staad, alle Weg san vawaht (...).“ Das war die Geburtsstunde der „Heiligen Nacht“. Ein Blitzeinfall auf der Pirsch also. Dennoch dauerte es bis März 1916, ehe Thoma seine „Heilige Nacht“ fertig hatte. Erschienen ist sie sogar noch später – 1917, also genau vor 100 Jahren. Biblische Szenen sind in einen bäuerlich-dörflichen Alltag übertragen. Stark tritt die Armut des biblischen Paares Josef und Maria hervor. Die Betonung der Armut wie der Nächstenliebe war schon vorher Thema seiner jährlichen Weihnachtsgedichte gewesen, die Thoma für den „Simplicissimus“ schrieb. „’S werd gwen sei, wia’s heid aa no is“, fügt Thoma lakonisch an – und überträgt damit den Gegensatz arm-reich in die Gegenwart. Als sich die Geburt Jesu durch den Stern ankündigt, bleiben die Reichen in Bethlehem ohne Regung in den Betten liegen. Zum Schluss schreibt der Autor: „Und fragt’s euch, ob dös nix bedeut’, / Dass’s Christkind bloß Arme g’sehg’n hamm.“ Er interpretiert seinen Jesus als jemanden, der „sich entschlossen auf die Seite der Armen schlägt und den Reichtum ausnahmslos verdammt“. Und das ist wohl auch heute aktuell und nachdenkenswert.

Nach der Lesung gibt es auf dem Kirchenvorplatz noch Apfelpunsch und Glühwein - angeboten von der Kolpingsfamilie und vom Frauenbund. Da den Mitwirkenden keine Unkosten entstanden sind, wird jeder gespendete Euro an KUNO, an die Stiftung der Kinder-Uniklinik Osterbayern in Regensburg, übergeben werden.


Veröffentlicht am 21.12.2017 von Helmut Meichelböck