Die Geschichte eines Landes, eines Gebietes, eines Ortes läßt sich oft nicht allzu weit zurückverfolgen. Wenn aber die Rückschau zeitlich festgelegt ist, so sind 1100 Jahre doch eine recht ansehnliche Zeitspanne. Im Jahre 895 wurde der Ort Siegenburg erstmals urkundlich erwähnt. Daß vor dieser Zeit in diesem Gebiet Menschen gesiedelt haben, ist dadurch bewiesen, daß zwischen Siegenburg und Train römische Münzen gefunden wurden. Diese Münzen zeigen den Kopf des Kaisers Nerva Trajanus (gest. 117 n. Chr.), auf der Rückseite war der Gott Mars abgebildet.

895 wird ein Sigo zu Siegenburg erwähnt, einer aus dem Grafengeschlecht, das zur Klostervogtei Münchsmünster gehörte. Dieses Geschlecht soll bereits 1140 wieder ausgestorben sein.

Johann Turmaier, genannt "Aventinus" (der Abensberger), glaubt, den Namen Siegenburg von dem Sieg der Bayern über die Welschen (Leute aus Italien) ableiten zu können. Das nahe Welschenbach könnte dafür Zeuge sein.

Eine weitere Ableitung wäre denkbar vom Siegbach, der durch Siegenburg fließt: Sieg – Siegberg – Siegburg – Siegenburg. Alle Namen für Siegenburg (nach Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein): Sigenburgk, Sigenburch, Siginpurg, Sigenburc, Sienburch, Sigenburg, Siegenburg (1813).

Seit 1533 ist der Siegbach als Sig urkundlich erwähnt.

Sig stammt aus dem Althochdeutschen sigan "sinken, herabfließen", d. h. langsam fließendes Bächlein. Erstaunlich ist schon, daß es den Namen Siegenburg in Deutschland nur ein einziges Mal gibt. Man könnte vermuten, daß der Zusammenhang Sieg(en) – Burg zu einem häufigen Ortsnamen verschmelzen hätte können. So gibt es "nur" ein Siegenburg, mehrere Siegenhofen, Siegendorf, Siegenstein, mehrere Siegersdorf, Siegershausen, eine Kreisstadt Siegburg, aber eben nur ein Siegenburg.

     

 

Auch die Babonen, die Nachkommen des legendären Babo II aus Abensberg, herrschten in Siegenburg. Dieser Babo soll Vater von 30 Söhnen und acht Töchtern gewesen sein. Weitere Nachkommen waren u. a. Altmann I, Altmann II und Altmann III in Siegenburg. Nach ihnen ist heutzutage noch eine Straße in Siegenburg benannt. Diese Altmann herrschten bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts.

Danach fiel Siegenburg an die bayerischen Herzöge, aber auch die Klöster Biburg und Münchsmünster hatten in Siegenburg noch Besitzungen. Aus alten Aufzeichnungen ist ersichtlich, daß Siegenburg als Markt (bei Sybenpurch bei dem Markt) bereits um 1359 erwähnt wurde. Genau nachgewiesen kann das Marktrecht 1379 werden. Die Herzöge Stephan, Friedrich und Johann gaben kraft eines Briefes, den sie vom Kaiser Ludwig dem Bayer erhalten hatten, das Marktrecht an Siegenburg.

"... dass die Leute zu Siegenburg dieselben Rechte haben sollten, wie die Städte Ingolstadt und Neustadt und zwar auf eine Meile im Umkreis ..."

Leider berichten viele Aufzeichnungen nur über Kriege und Schicksalsschläge, die den Ort Siegenburg schwer trafen. So besetzten die Truppen von Ludwig dem Gebarteten (Herzog von Bayern-Ingolstadt) den Ort, als sie gegen Albrecht III (Herzog von Bayern-München) kämpften. Im Landshuter Erbfolgekrieg plünderten böhmische Soldaten 1504 den Ort. Schloß und alle Häuser wurden niedergebrannt. Siegenburg war so arm, daß keine Steuern mehr erhoben werden konnten.

Besonders hart traf es den Markt auch im 30jährigen Krieg. Als 1632 die Schweden abzogen, gab es in Siegenburg nur mehr zehn ganze Häuser, in denen ein paar armselige Tagelöhner hausten.

Erst allmählich wurde der Ort wieder aufgebaut. Aber große Feuersbrünste 1669 und 1675 vernichteten wiederum große Teile der Ortschaft. 1678 gab es in Siegenburg 61 Wohnhäuser, 66 Familien und 47 Schulkinder. 1716 vernichtete ein Großfeuer das Schloß und 115 Häuser, Scheunen und Anbauten.

Im spanischen Erbfolgekrieg 1704 steckten österreichische Husaren (leichte Kavallerie) die Ortschaft an vier Stellen gleichzeitig in Brand. Anlaß dazu war wohl die Tat an einem Husaren, der von Siegenburger Bürgern ermordet wurde und in den "Husarensee" geworfen wurde. Noch heute erinnert die Husarenstraße daran. Auch den Husarensee, auf dem Wiesenweg nach Biburg gelegen, gibt es noch.

Auch im österreichischen Erbfolgekrieg 1745 mußte Siegenburg unter kriegerischen Auseinandersetzungen leiden. Panduren (Reiterhorden aus Kroatien und Ungarn, die auf Seiten Österreichs kämpften) überfielen und plünderten den Ort.

     

Auf seinen Zügen durch ganz Europa kam Napoleon wahrscheinlich auch durch Siegenburg. In der "Schlacht um Abensberg" vom 17. Bis 20. April 1809 brannten die Bayern, die damals ja noch auf Seiten Napoleons kämpften, die Abensbrücke in Daßfeld nieder. Der endgültige Sieg über die Österreicher gelang dann am 22. April 1809 bei Eggmühl. An die gefallenen Krieger des K. u. K. Infanterieregimentes Hoch- und Deutschmeister Nr. 4 erinnert noch heute das Denkmal "bei den Linden" bei Niederumelsdorf. Es wurde 1911 vom Prinzregent Luitpold von Bayern eingeweiht.

Auch in den letzten Kriegen, im ersten und zweiten Weltkrieg, hatte der Markt Siegenburg zu leiden. Die Zerstörung in den letzten Kriegstagen im April 1945 war nicht allzu groß und es gab auch keine Opfer in der Zivilbevölkerung.

Geschichte wird aber nicht nur durch Kriege geschrieben!

Viel interessanter wäre die Bevölkerungsentwicklung, Leben und Arbeiten der Menschen. Hierzu fehlen aber die Aufzeichnungen fast vollständig. Im 30jährigen Krieg, 1632, vor der Plünderung Siegenburgs, gab es im Ort 140 Einwohner. Darunter drei Bierbrauer, zwei Weinwirte, je drei Bäcker und Metzger und andere Handwerker. Für 140 Einwohner eine große Zahl von Geschäften. Man muß aber bedenken, daß Siegenburg seit 1379 Markt war.

Bereits 1550 gab es in Siegenburg eine Lateinschule. Der Marktschreiber Georg Glötzl, der aus Geisenfeld stammte, unterrichtete zehn Knaben in Latein. Mädchen gingen damals nicht zur Schule, der aller größte Teil der Bevölkerung konnte weder lesen noch schreiben.

1858 wurde ein neues Schulhaus gebaut. 1887 gab es drei Klassen in Siegenburg. Klasse I/II – 94 Schüler, Klasse III/IV – 77 Schüler, Klasse V-VII – 94 Schüler. 1889 war die Schülerzahl auf 124 Mädchen und 141 Knaben angewachsen.

Wenn man heute von der "guten, alten Zeit" spricht, so ist das doch sehr verklärt gesehen. Not, Armut und früher Tod prägten noch vor 100 Jahren das Leben der meisten Leute. 1885 starben in Siegenburg 60 Personen. Die Einwohnerzahl betrug damals ca. 1300.

Von den Verstorbenen des Jahres 1885 waren 30 Kinder bis zum ersten Lebensjahr, 9 waren Kinder unter 10 Jahren, 2 waren zwischen 10 und 20 Jahre alt, 3 waren zwischen 20 und 30 Jahre alt, 6 waren zwischen 30 und 40 Jahre alt, 1 war zwischen 40 und 50 Jahre alt, 2 zwischen 50 und 60 Jahre alt, 5 waren zwischen 60 und 70 Jahre alt, 1 war zwischen 70 und 80 Jahre alt und nur 1 Person war über 80 Jahre alt.

Also wurden von 60 Leuten nur 1/10 älter 60 Jahre.

Den größten Aufschwung nahm der Markt Siegenburg im 20. Jahrhundert. Zählte der Markt 1939 2176 Einwohner, so waren es 1950 bereits 2872 Einwohner. Der Zuwachs war auch bedingt durch Flüchtlinge und Heimatvertriebene.

Außerdem wurde 1946 aus der selbständigen Gemeinde Staudach mit den Ortsteilen Neukirchen, St. Johann und Malmersdorf der Ortsteil Staudach nach Siegenburg eingemeindet. Die Ortsteile Neukirchen, St. Johann und Malmersdorf kamen zur Gemeinde Train.

Der letzte Bürgermeister der Gemeinde Staudach war Johann Förch.

1946 wurde auch die selbständige Gemeinde Tollbach mit den Ortsteilen Tollbach, Aicha, Langhaid, Kipfelsberg und Morgenroth nach Siegenburg eingemeindet.

Der letzte Bürgermeister der Gemeinde Tollbach war Alois Landendinger.

1975 lebten in der Gemeinde Siegenburg 1856 Einwohner. Nach der Eingemeindung von Niederumelsdorf 1976 waren es 2237 Einwohner.

Der letzte Bürgermeister der Gemeinde Niederumelsdorf mit den Ortsteilen Oberumelsdorf, Holzleiten, Grafenmühle und Straßhaus war Peter Pichlmeier.

Heute hat der Markt Siegenburg rund 3.577 Einwohner. Durch die ansässigen Handels- und Handwerksbetriebe ist die "Grundversorgung" im Ort gewährleistet. Neben Geschäften aller Art, Gaststätten und Sportstätten gibt es in Siegenburg ein vielfältiges Vereinsleben. Die Gesundheitsversorgung durch Ärzte und eine Apotheke und durch ein Alten- und Pflegeheim (ehemaliges Krankenhaus) ist in gutem Umfang gewährleistet. Kindergarten, Grund- und Hauptschule bieten genügend Platz für alle Kinder. Die Schulsituation am Ort hat sich immer mehr verbessert. 1934 wurde die Schule auf sechs Räume erweitert. 1970 wurde der Neubau an der Antoniusstraße bezogen. Dieser Bau wurde 1978 und 1994 jeweils erweitert. 2001 bis 2010 wurde eine Generalsanierung der Grund- und Hauptschule durchgeführt.  Heute besuchen die Kinder der Gemeinde Siegenburg (außer der früheren Gemeinde Niederumelsdorf) und der Gemeinde Kirchdorf die Klassen I – IV. Ab der V. Jahrgangsstufe kommen die Schüler der Gemeinde Wildenberg  und Train dazu. Zudem hat sich die Mittelschule Rohr dem Schulverband Siegenburg angeschlossen. Dieser ist wiederum Mitglied im Mittelschulverbund Landkreis-Kelheim-Mitte.  Zur Zeit besuchen ca. 300 Kinder die Siegenburger Schule.

Siegenburg ist auch Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Siegenburg. Die Verwaltungsgemeinschaft umfaßt die Gemeinden Biburg, Kirchdorf, Siegenburg, Train und Wildenberg (z. Zt. ca. 8885 Einwohner).