
In der Familienchronik wird die Tradtmühle bereits im 11. Jahrhundert erwähnt. Zwei Müller habe es demnach in Siegenburg zu dieser Zeit gegeben.
„Tradtmühle: Gekauft im Jahre 1457 von Herzog Albrecht“ steht im Buch von Fritz Schmid „Markt Siegenburg Vergangenheit und Gegenwart“. Aus der Familienchronik weiß Roswitha Frankl, dass es damals ein Vierseithof gewesen sei und der kleine Siegbach eine Wasserturbine antrieb.

1886 jedenfalls weiß Frankl aus den Unterlagen, hat Josef Frankl das Anwesen gekauft. Josef war Müller.
1919 übernahm Sohn Otto als Müller und Elektromeister den Betrieb, den er 1967 an den Ehemann von Roswitha Frankl, dem Elektromeister Roland Frankl übergab. Mittlerweile führt wiederum der Sohn Christoph das Elektrogeschäft.
1910 beabsichtigte Josef Frankl in Siegenburg eine Zentrale Stromversorgung einzurichten. Der Magistrat aber lehnte das Vorhaben ab, weil er annahm, die Wasserkraft reiche für eine elektrische Straßenbeleuchtung nicht aus.
Doch Josef Frankl gab nicht auf. Noch im Dezember desselben Jahres übergab er die Ausführung eines Wasserkraftwerks dem Regensburger Büro der Bayerischen Elektrizitätswerke (BEW). Sein Plan: Eine 12 PS starke Turbine sollte in die Mühle eingebaut werden, dazu ein Dieselaggregat mit einer Leistung von 25 PS als Betriebsreserve, damit eine möglichst störungsfreie Stromlieferung garantiert war. Außerdem war zu Reservezwecken noch eine Akkumulatorenbatterie geplant. Das Verteilernetz war auf 220 Volt Gleichstrom ausgerichtet.
60 Straßenlampen sollten den 1409-Seelen-Ort mit Straßenlampen versorgen. Auch diesmal wurde abgelehnt.
„Josef Frankl hat im 1917 den Markt mit dem ersten elektrischen Licht versorgt“, ist in einem der Bücher von Fritz Schmid dann zu finden. Näheres zu dem Thema ist Frau Frankl nicht bekannt.
In ihren Unterlagen findet sie ein Rechnungsbuch aus dem Jahre 1922 von Otto Frankl. Über 100 Stammkunden konnte der Elektromeister damals verwalten. „Einige sind heute noch unsere Kunden“, freut die Siegenburgerin sich.
Aus den Unterlagen findet sie auch noch das Schulzeugnis von Otto Frankl aus dem Jahre 1908, sein Meisterprüfungszeugnis und eine Urkunde vom Gauturnfest Donau-Ilm-Gau von 1914.
Im zweiten Weltkrieg wurde Mühle und Elektrizitätswerk stillgelegt, da die Männer an die Front mussten.
Das Sägewerk wurde durch Brand zerstört und nicht mehr aufgebaut – wann weiß Frau Frankl nicht mehr.
In den 50er Jahren wurde die Mühle Opfer vom großen Mühlensterben. Die Bauern brachten ihr Getreide in Lagerhäuser und holten sich von dort auch das Mehl für den Haushalt.
1967 hatten Roland und Roswitha Frankl das Gebäude in ein Wohngeschäftshaus umgebaut. Jetzt betreibt Christoph das Elektrogeschäft, im Anbau befindet sich eine Massagepraxis.

(Quelle: Topo geografisch-statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern)