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Sagen aus der HallertauArtikel drucken
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Der Jäger in der “Müller-Kreppe”

 

 

Es war in den 80er Jahren.

Da lebte in R. ein frommer, alter Bauer. Der wanderte Sonntags wieder einmal auf der Landstrasse dahin, um rechtzeitig zur Frühmesse in die Bergkirche nach Siegenburg zu kommen. Die Straße führte bei der “Müller-Kreppe” vorbei.

Als er dort hinkam, konnte er plötzlich keinen Schritt mehr weiter gehen: ein unheimlicher Jägersmann hatte dem Bauern Kaum wollte sich der Bauer, der seine Schneid im Franzosenkrieg zur Genüge erprobt hatte, vom ersten Schrecken erholen, da war der Jägermeister verschwunden, und die schwarzen Ungetüme trieben ihn in die “Müller-Kreppe“ hinein und umzingelten ihn. Die Hunde heulten. Das Bäuerlein schrie. Ein Kampf auf Leben und Tod fand statt.

Schon längst waren die letzten Glockenklänge vom Siegenburger Kirchturm her verhallt, und die Frühmesse hatte bereits begonnen.

Da, auf einmal, kam dem vor Schweiß triefendem Bauern ein erlösender Gedanke. Ein paar derbe Fluchworte nacheinander - und die Feueräugigen Ungeheuer wichen mit einem Schlag zurück.

Der Mann war befreit und konnte ungehindert die Kreppe verlassen.

Die unheimlichen Gestalten waren verschwunden. Sicher war der Jäger der Teufel, und die Hunde waren seine Gehilfen. Rasch ritt der Befreite weiter, um wenigstens noch einen Teil der Frühmesse beiwohnen zu können.

Als er nach St. hinkam, sah er plötzlich im Siegenburger Friedhof eine Unmenge Lichtlein auftauchen. Sie tanzen über die Friedhofsmauer aus und ein und schwebten frei in der Luft, bald höher, bald tiefer. Sie haben den Bauern aber, als er näher kam; nichts gemacht. Er konnte ungehindert vorbeikommen.

Als er mit den anderen Kirchenbesuchern hernach heim schritt, sah man keine Lichtlein und keinen Jäger mit den schwarzen Hunden mehr.

Quelle: "Sagen aus der Hallertau" von Emmi Böck


Redakteur: Gabi Kahler
Veröffentlicht: 19.08.2010
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