Pfarrer Jeremias George war zu Besuch in Siegenburg und informierte die Paten und Interessierten über die verschiedenen Projekte in der Einrichtung in Kottar.
Am 28. Juni war Pfarrer Jeremias 60 Jahre alt geworden. Rückblickend teilte er sein Leben in drei verschiedene Stationen ein. Dabei empfinde er nur Gedanken der Dankbarkeit.
Selber mit fünf Geschwistern als armer Fischerssohn in Südindien geboren, in großer Armut aufgewachsen, sei er für seine schulische Bildung äußerst dankbar. Als einziger Bub von 5 000 Einwohnern durfte er ein Gymnasium besuchen. Täglich 16 Kilometer ging er damals zu Fuß in die Schule. „Warum macht er das?“, fragten dort viele Einwohner.
Dank seines Onkels und einer Priesterweihe im Nachbarort, die er zusammen mit dem Onkel besuchte, wurde ihm die Verbindung zu einem Priester hergestellt, der ihn später in seine Obhut nahm.
Als zweite Station und Führung Gottes sieht Jeremias, dass ihn ein Ohnmachtsanfall mit Folge eines Herzschrittmachers von der Professur in Rom abhielt. „Gott hat mir eine neue Orientierung gegeben“, so der Pfarrer, „dass ich nicht als Professor in Rom, sondern in Indien weiter arbeite.“
Dass Pfarrer Jeremias am 26.Dezember 2004 vorher noch eine Brücke verlassen hatte, die vom Tsunami in weniger als fünf Minuten später weggeschwemmt wurde, sieht er als dritte Station in seinem Leben. In der Hand Gottes habe er sich gefühlt und er fühle auch, dass Gott eine bestimmte Arbeit für ihn vorgesehen habe.
Zum 60. Geburtstag wünscht Pfarrer Jeremias sich 60 neue Häuser für arme Familien. Für 40 Häuser habe er bereits Spenden und Gelder bekommen, für die restlichen 20 sammle er weiter. Ein Haus kostet 1 600 bis 2 000 Euro.
„Ich war nicht der einzige Junge, der in die Schule gehen wollte“, erklärt der Geistliche. Und weil er es den derzeitigen Kindern leichter machen will, habe er die Einrichtung der Patenschaften gegründet.
Hilfe zur Selbsthilfe ist seine Devise. Mit Mikrokrediten ermöglicht Pfarrer Jeremias Frauengruppen sich eine Nähmaschine zu kaufen und damit Geld zu verdienen. Oder einer Familie eine Ziege zu schenken, die in großer Erwartung Junge bekomme, die diese Familie dann verkaufen könne.
2003 gründete Pfarrer Walter Ries aus Bamberg die Initiative, alte indische Leute zu unterstützen. Nie habe er so viele alte Leute auf der Straße gesehen, als bei einem Besuch in Südindien. „Wir bauen kein Altenheim!“ wehrte Pfarrer Jeremias ab. Seine Idee: Die Familien sollen monatlich für jeweils sechs Euro zehn Kilogramm Reis bekommen. Damit können diese ihre Familie ernähren und die alten Leute zusätzlich pflegen.
3 000 Kinderpatenschaften kann Pfarrer Jeremias in seiner Einrichtung bereits verzeichnen, 190 Kinder werden dieses Jahr ihre Schulausbildung beenden.
400 Häuser konnten bereits gebaut werden, die meisten nach dem Tsunami. Als einzige Organisation habe Pfarrer Jeremias mit der Regierung zusammengearbeitet und Land gekauft.
Auch eine Schule konnte gebaut werden.
Pfarrer Jeremias’ Ziel: „Arme Leute bekommen nicht nur Spenden, sondern mehr!“
Abschließend bedankte Pfarrer Jeremias sich bei Pfarrer Martin Nissel und Karin Sperger für das große Engagement für „Patenschaft Kottar“ und allen Pateneltern für die Unterstützung.
Durch Pfarrer Jeremias’ einfühlsamen Vortrag konnten anschließend einige neue Patenschaften geschlossen werden.
Im August wird die Pfarrei mit 18 Leuten Südindien bereisen und die Einrichtung in Kottar besichtigen. Dazu werden die Patenkinder, die durch die Reisegruppe beschenkt werden, eingeladen, sich ihre Geschenke in der Einrichtung abzuholen. Auch Gespräche mit den Kindern sind möglich, ein Dollmetscher wird dafür eingesetzt.
Wer einem Reisenden ein Geschenk mitgeben will, möge bis 15. August den Namen, Geburtsdatum und Adresse des Patenkindes im Pfarrbüro Siegenburg melden, damit eine Einladung an das Kind verschickt werden kann. Telefon 09444-300.
Kinderpatenschaften nimmt Karin Sperger, Husarenstraße 19, 93354 Siegenburg entgegen. Telefonnummer ab 15 Uhr: 09444-8300